| |
13
vor Pleiku als Alternative ins Auge gefasst worden. Doch erst der Angriff auf die amerikani-
sche Basis gab der Johnson-Administration die Möglichkeit, die Pläne in die Tat umzusetzen.
Die vorgegebenen Ziele der Aktionen formulierte die amerikanische Botschaft in Saigon mit
einem Dreipunkte-Programm. Erste Priorität war es den Willen Hanois zu brechen, zweite
Priorität war die Schwächung der Moral der Nordvietnamesischen Truppen und als letzten
Punkt führte Taylor die Unterbindung der Unterstützung des Vietcong durch Zerstörung ve
r-
schiedenster Installationen auf.53 Rückblickend kann gesagt werden, dass keines dieser Ziele
erreicht wurde. Doch anstatt sich Gedanken über die Wirkung der Programme zu machen,
ging Johnson noch einen Schritt weiter. Vermutlich war es die Angst vor einem Versagen in
Vietnam, die ihn dazu brachte, dem Drängen seiner Berater nach einer Ausweitung der Bo m-
benangriffe, zuzustimmen. Am 2. März 1965 begann die Operation Rolling Thunder.54 Die-
se Operation bedeutete eine unbefristete Ausweitung der Bombardierungen auf Nordvietnam.
Im Verlaufe dieser drei Jahre dauernden Operation wurden mehr Bomben auf Vietnam abge-
worfen als während des gesamten 2. Weltkrieges auf Europa. Während zu Beginn der Oper a-
tionen die Kontrolle durch den Präsidenten, der sich die Auswahl der Ziele selbst vorbehielt,
noch gewährleistet war, änderte sich dies schon im Verlauf des Frühlings. Zum Einen wurde
die Frequenz der Angriffe drastisch erhöht Im April 1965 flogen amerikanische und Südv
i-
etnamesische Truppen an die 3600 Angriffe gegen Nordvietnam zum Anderen war es den
Piloten neben dem Gebrauch von Napalm nun auch erlaubt, ihre Bomben auch auf Alternativ-
ziele abzuwerfen, ohne vorher eine Erlaubnis einzuholen.55 Viele Historiker sehen den Point
of no Return schon mit dem Beginn von Rolling Thunder überschritten. Die Eskalation
war Realität, und der Krieg entwickelte eine gefährliche Eigendynamik.56
3.3 Bodentruppen und erhöhte Bedarfsmeldungen
Die amerikanische Regierung spielte die Ereignisse die mit Rolling Thunder im Zusa m-
menhang standen herunter. Es wurde versichert, dass es sich bei den Luftschlägen um einze l-
ne Vergeltungsmassnahmen handelte. Dass Rolling Thunder eine Luftoffensive ohne zeitl i-
che Begrenzung war, wurde verschwiegen. Präsident Johnson weigerte sich auch auf Anraten
seiner persönlichen Berater, der Öffentlichkeit die wahre Situation in Vietnam preiszugeben.
Zu grosse Angst hatte er vor den Auswirkungen, die der Krieg auf seine innenpolitischen Pro-
gramme nehmen könnte. Nichts sollte von den Plänen der Great Society ablenken. Durch
53
Foreign Relations of the United States (FRUS). Vietnam 1964-1968, Volume II, January-June 1965. Nr. 112, S. 250, Telegram from the Embassy in Vietnam to the Department of State. Saigon, February 12, 1965.
54
McNamara. Vietnam. Das Trauma einer Weltmacht. S. 228.
55
Olson/Roberts. Where the Domino Fell. S. 127.
56
McNamara. Vietnam. Das Trauma einer Weltmacht. S. 228.
|  |
|
| |
|
|